Heu bedampfen beim Pferd: Wirkung, Temperatur & Anwendung

Trockenes Heu ist für Pferde ernährungsphysiologisch wertvoll, kann beim Aufschütteln und Fressen aber erhebliche Mengen organischer Partikel freisetzen. Dazu gehören Pflanzenfragmente, Staub, Mikroorganismen und deren Bestandteile. Gerade bei Pferden mit equinem Asthma (chronischer, nichtinfektiöser Atemwegserkrankung) ist die Reduktion solcher inhalierbaren Belastungen ein zentraler Bestandteil des Umweltmanagements [1, 2].

Mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Management findest Du in unserem ausführlichen Ratgeber „Equines Asthma beim Pferd“.

Heu zu bedampfen ist eine Möglichkeit, die hygienische Qualität des Raufutters zu verändern. Hochtemperatur-Bedampfung kann unter den untersuchten Bedingungen die Freisetzung respirabler Partikel (sehr kleiner, bis in die tieferen Atemwege einatembarer Partikel) sowie die Belastung mit lebensfähigen Schimmelpilzen und bestimmten Bakterien deutlich reduzieren [3–5]. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass bedampftes Heu eine Atemwegserkrankung behandelt oder bei jedem Pferd klinisch wirksamer ist als trockenes Heu. Genau diese Unterscheidung ist für die wissenschaftliche Einordnung wichtig [10–12].

In diesem Ratgeber erfährst Du, was beim Bedampfen im Heu passiert, warum Temperatur und Dampfverteilung wichtig sind, wie Bedampfen und Wässern sich unterscheiden und was aktuelle Studien zur klinischen Wirkung bei Pferden mit equinem Asthma zeigen.

Warum trockenes Heu für empfindliche Atemwege relevant sein kann

Equines Asthma ist eine chronische, nichtinfektiöse Entzündung der unteren Atemwege. Umweltfaktoren spielen bei Entstehung und Exazerbation (akute Verschlechterung) eine zentrale Rolle. Fachübersichten nennen insbesondere organischen Staub aus Futter und Einstreu als relevante Expositionsquelle (Quelle einer Belastung, der das Pferd ausgesetzt ist) [1, 2].

Auch optisch und geruchlich unauffälliges Heu ist nicht partikelfrei. Beim Bewegen und Fressen können respirable Partikel in die Atemzone des Pferdes gelangen. Wie hoch die Belastung tatsächlich ist, hängt unter anderem von Heuqualität, Ernte und Lagerung, Fütterungstechnik und Stallumgebung ab [1, 2]. Eine sichtbare Staubwolke ist deshalb kein notwendiges Kriterium dafür, dass eine Exposition besteht.

Wichtig ist außerdem: Nicht jeder Husten bedeutet equines Asthma. Wiederkehrender Husten, Nasenausfluss, Leistungsabfall oder erhöhte Atemarbeit sollten immer tierärztlich abgeklärt werden, bevor Managementmaßnahmen als alleinige Lösung verstanden werden.

Was passiert beim Heu bedampfen?

Beim Bedampfen wird Wasserdampf in einen Behälter mit Heu eingeleitet. Ziel ist, das Raufutter möglichst gleichmäßig zu erwärmen und zu befeuchten. Studien zeigen dabei zwei unterschiedliche Effekte: Zum einen kann die Freisetzung respirabler Partikel sinken, zum anderen kann die Zahl lebensfähiger Mikroorganismen verändert werden [3–5].

Weniger respirable Partikel

In einer häufig zitierten Untersuchung reduzierte Hochtemperatur-Bedampfung mit einem untersuchten kommerziellen System die freigesetzten respirablen Partikel sehr deutlich. Teilbedampfung und kurzes Wässern reduzierten Partikel ebenfalls, waren hinsichtlich der mikrobiellen Hygiene aber nicht gleichwertig [3]. Diese Zahlen sind geräte- und versuchsabhängig und dürfen nicht als Leistungsversprechen für jeden Heubedampfer verstanden werden.

Mikroorganismen: Temperatur und Zeit zählen

Die thermische Wirkung ist nicht für alle Mikroorganismen gleich. In einer Studie wurden verschiedene Temperatur-Zeit-Kombinationen untersucht. Schimmelpilze und Hefen nahmen unter mehreren Bedingungen deutlich ab; Bacillus spp. (verschiedene Bakterienarten der Gattung Bacillus) wurden in dieser Untersuchung dagegen erst bei 100 °C und mindestens zehn Minuten signifikant reduziert [4]. Daraus lässt sich keine universelle Mindesttemperatur für jedes Gerät ableiten, wohl aber ein wichtiger Grundsatz: Nicht die Temperatur am Dampfaustritt allein entscheidet, sondern welche Temperatur über welche Zeit tatsächlich im Heu erreicht wird.

Warum die Dampfverteilung wichtig ist

Heu ist kein homogener Körper. Dichte Packung, Heumenge, Behältergeometrie und die Art, wie der Dampf eingeleitet wird, beeinflussen die Erwärmung. Deshalb sollte ein Gerät nicht nur danach beurteilt werden, ob es heißen Dampf erzeugt. Für einen sinnvollen Vergleich sind auch Dampfverteilung, vorgesehene Füllmenge und das validierte Bedampfungsprotokoll relevant [3, 4].

Für die Kaufentscheidung wichtig Ein günstiger Dampferzeuger und ein professionell konstruiertes System sind wissenschaftlich nicht automatisch gleichzusetzen. In unserem Heubedampfer-Vergleich betrachten wir deshalb nicht nur den Preis, sondern auch Kapazität, Dampfverteilung, Herstellerangaben zu Temperatur und Zyklus sowie Alltagstauglichkeit. → Zum Heubedampfer-Vergleich

Was sagt die Forschung zur Wirkung beim Pferd?

Hier muss zwischen zwei Ebenen unterschieden werden: der messbaren Veränderung des Heus und der klinischen Wirkung beim Pferd. Für Partikel- und Mikrobenreduktion gibt es mehrere kontrollierte Untersuchungen [3–5]. Die klinische Datenlage bei schwerem equinem Asthma ist dagegen klein und uneinheitlich [10–12].

Kurz eingeordnet Gut belegt ist, dass Hochtemperatur-Bedampfung unter untersuchten Bedingungen die hygienische Qualität von Heu verbessern kann. Weniger sicher ist, ob bedampftes Heu allein bei Pferden mit equinem Asthma zuverlässig Lungenfunktion und Atemwegsentzündung verbessert oder Exazerbationen verhindert.

In einer Studie wurden Pferde mit schwerem equinem Asthma über kurze Expositionsphasen untersucht. Bedampftes Heu wies weniger Schimmel auf, und bei trockenem Heu nahm der Trachealschleim stärker zu. Bei klinischem Score und entzündlichen Parametern der bronchoalveolären Lavage (BAL, einer Spülprobe aus den tiefen Atemwegen) zeigte sich jedoch kein konsistenter Vorteil des bedampften Heus [10].

In einer kontrollierten Cross-over-Studie (Studie, in der dieselben Pferde nacheinander unterschiedliche Behandlungen erhalten) verbesserten sich Pferde mit schwerem Asthma unter bedampftem Heu über vier Wochen in mehreren klinischen Parametern; eine pelletierte Ration war jedoch verlässlicher wirksam. Die Autoren betonen, dass einige Pferde auf bedampftes Heu gut ansprechen können, andere aber zusätzliche Staubkontrolle benötigen [11].

Besonders wichtig für die Einordnung ist eine neuere prospektive Cross-over-Studie (im Voraus geplante Studie, in der dieselben Pferde nacheinander unterschiedliche Behandlungen erhalten) zur Exazerbationsprävention: Pferde in Remission (Phase mit deutlich verminderten oder fehlenden Krankheitszeichen) zeigten nach vier Wochen sowohl unter trockenem als auch unter bedampftem Heu eine Verschlechterung der Lungenfunktion, ohne relevanten Unterschied zwischen den Fütterungen. Auch die neutrophile Entzündung (Entzündung mit erhöhtem Anteil bestimmter weißer Blutkörperchen, der neutrophilen Granulozyten) der unteren Atemwege unterschied sich nicht entscheidend zwischen den Behandlungen [12].

Für EquiWise folgt daraus: Bedampfen ist eine plausible und gut untersuchte Maßnahme zur Reduktion bestimmter Expositionen im Heu. Es sollte aber nicht als garantierte Therapie oder als sicherer Schutz vor Asthmaexazerbationen (akuten Verschlechterungen des Asthmas) dargestellt werden. Bei erkrankten Pferden bleibt das gesamte Umweltmanagement entscheidend – einschließlich Raufutterwahl, Einstreu, Ventilation und tierärztlicher Behandlung, wenn sie erforderlich ist [1, 2].

Was Bedampfen nicht leistet

Bedampfen macht verdorbenes Heu nicht wieder zu gutem Heu.

Sichtbar verschimmeltes, muffiges oder anderweitig verdorbenes Heu sollte nicht durch Bedampfen „gerettet“ werden. Die Behandlung kann lebensfähige Mikroorganismen reduzieren, ersetzt aber keine ausreichende Grundqualität des Futters.

Mykotoxine (von bestimmten Schimmelpilzen gebildete Giftstoffe) sind ein eigenes Problem

Mykotoxine sind Stoffwechselprodukte bestimmter Schimmelpilze. Viele relevante Mykotoxine sind gegenüber üblichen thermischen Futtermittelprozessen relativ stabil; ihre Reduktion hängt stark von Toxin, Temperatur, Dauer, Feuchtigkeit und Matrix ab. Die beim Heubedampfen üblichen Bedingungen sind deshalb kein verlässliches Verfahren zur Mykotoxin-Dekontamination (zuverlässige Entfernung oder Inaktivierung solcher Schimmelpilzgifte) [14].

Bedampfen ist keine zuverlässige Methode zur Zuckersenkung

Auch die Nährstoffeffekte sind nicht einheitlich. In einigen Studien blieben Rohprotein und viele Mineralstoffe weitgehend stabil, während wasserlösliche Kohlenhydrate moderat abnahmen [3, 6]. Andere Untersuchungen fanden Veränderungen einzelner Mineralstoffe oder – abhängig von Heu und Verfahren – unterschiedliche Effekte auf Kohlenhydrate [4, 7, 8]. Wer den Zucker- bzw. NSC-Gehalt (Gehalt an nichtstrukturellen Kohlenhydraten, insbesondere Zucker und Stärke) einer Ration gezielt senken muss, sollte sich daher nicht darauf verlassen, dass Bedampfen diesen zuverlässig reduziert.

Eine neuere Untersuchung zeigte zudem, dass Hochtemperatur-Bedampfung die geschätzte präzäkale Verdaulichkeit (Verdauung bzw. Aufnahme vor dem Blinddarm) von Rohprotein und mehreren Aminosäuren (Bausteine von Proteinen) verringern kann, obwohl der Gesamt-Rohproteingehalt kaum verändert war [9]. Bei Pferden mit höheren Protein- oder Aminosäureanforderungen kann dies für die Rationsplanung relevant sein.

Bedampfen oder Wässern?

Beide Verfahren können die Partikelexposition beim Fressen reduzieren, funktionieren aber unterschiedlich. Beim Wässern wird Heu vollständig in Wasser eingetaucht; dabei werden lösliche Bestandteile ausgewaschen. Die mikrobiologische Qualität (Belastung mit lebensfähigen Mikroorganismen wie Bakterien, Schimmelpilzen und Hefen) kann sich während oder nach dem Wässern verschlechtern. Hochtemperatur-Bedampfung zielt dagegen stärker auf eine thermische Reduktion lebensfähiger Mikroorganismen [3, 5, 6].

KriteriumBedampfenWässern
Respirable PartikelKann deutlich reduzieren; Stärke abhängig von System und HeuKann reduzieren; Effekt abhängig von Dauer und Heu
Mikrobiologische HygieneHochtemperatur-Bedampfung kann Schimmel/Hefen und bestimmte Bakterien reduzierenReduziert Mikroorganismen nicht zuverlässig; bakterielle Belastung kann steigen
NährstoffeVeränderungen möglich; nicht zuverlässig zur ZuckersenkungAuswaschung löslicher Nährstoffe; Ausmaß stark zeit- und heuspezifisch
Lagerung nach BehandlungIn Einzelstudien unter definierten Bedingungen bis 24 h relativ stabilBei Lagerung deutlich anfälliger für mikrobiellen Anstieg
AlltagGerät, Strom und Bedampfungszeit erforderlichWasser, Behälter und Entsorgung des Einweichwassers erforderlich

Welche Methode sinnvoller ist, hängt nicht nur von den Atemwegen ab. Bei Pferden, bei denen eine gezielte Veränderung des Zucker- oder Mineralstoffgehalts nötig ist, muss die gesamte Ration mitgedacht werden. Bei diagnostiziertem equinem Asthma kann auch eine alternative staubarme Raufutterform eine Option sein; die passende Strategie sollte individuell mit der Tierärztin, dem Tierarzt oder einer qualifizierten Fütterungsberatung abgestimmt werden.

Anwendung im Stall: worauf Du achten solltest

Bedampfungsdauer und Füllmenge

Es gibt keine wissenschaftlich begründete Universalzeit, die für jedes Gerät und jede Heumenge gilt. Studien verwenden unterschiedliche Protokolle. Deshalb sollten Füllmenge und Zyklusdauer des konkreten Geräts eingehalten werden. Eine größere Menge oder dichtere Packung ist nicht automatisch durch „ein paar Minuten länger“ auszugleichen.

Nach dem Bedampfen: nicht pauschal „sofort verfüttern“

Der verbreitete Rat, bedampftes Heu müsse grundsätzlich innerhalb weniger Stunden verfüttert werden, ist wissenschaftlich zu pauschal. In Studien blieb hochtemperatur-bedampftes Heu unter definierten Bedingungen auch nach 24 Stunden Lagerung mikrobiologisch weitgehend stabil [4, 5]. Daraus folgt allerdings keine allgemeine 24-Stunden-Garantie: Ausgangsheu, Verfahren, Raumtemperatur, erneute Kontamination und Lagerbedingungen unterscheiden sich im Alltag.

Praktisch sinnvoll ist deshalb ein hygienischer Umgang: saubere Behälter und Heunetze verwenden, Herstellerangaben beachten und das behandelte Heu vor Verschmutzung und unnötiger Feuchtigkeitseinwirkung schützen. Gewässertes Heu sollte deutlich kritischer betrachtet werden, weil bei Lagerung in Studien ein Anstieg von Bakterien, Schimmel oder Hefen beobachtet wurde [5].

Reinigung des Geräts

Reinigungs- und Entkalkungsintervalle sind gerätespezifisch. Pauschale Angaben wie „alle zwei Wochen“ sind daher nicht sinnvoll. Maßgeblich sind die Bedienungs- und Sicherheitshinweise des Herstellers, insbesondere zu Wasserbehälter, Dampferzeuger, Leitungen und Entkalkung.

Wann lohnt sich ein Heubedampfer?

Ein Heubedampfer ist vor allem dann interessant, wenn trockenes Heu dauerhaft als Raufutter genutzt werden soll, die inhalierbare Belastung reduziert werden soll und das Verfahren organisatorisch in den Stallalltag passt. Bei einem Pferd kann eine kleinere Kapazität ausreichen; bei mehreren Pferden werden Durchsatz, Zyklusdauer und laufende Kosten schnell entscheidend.

Für die Auswahl eines Geräts sind aus unserer Sicht insbesondere diese Punkte relevant:

  • Kapazität pro Bedampfungsdurchgang und tatsächlicher Heubedarf im Stall
  • Herstellerangaben zu Temperatur, Bedampfungsdauer und Dampfverteilung
  • Leistung des Dampferzeugers sowie Sicherheits- und Abschaltfunktionen
  • Reinigung, Entkalkung und Verfügbarkeit von Ersatzteilen
  • Anschaffungspreis plus Strom-, Wasser- und mögliche Zubehörkosten
  • ob technische oder wissenschaftliche Daten tatsächlich für das konkrete System vorliegen – und nicht nur für Heubedampfung allgemein
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Wie belastbar ist die Forschung?

Die Forschung zur Heubedampfung ist größer als die klinische Forschung zur Wirkung bei Asthma. Viele Versuche untersuchen Partikel, Mikroorganismen oder Nährstoffe im Heu – nicht Lungenfunktion oder Entzündung beim Pferd. Außerdem wurden mehrere einflussreiche Studien mit kommerziellen Haygain-Systemen durchgeführt; in einzelnen Arbeiten wurden Geräte bereitgestellt oder Studien teilweise durch den Hersteller finanziert [3, 11]. Das sollte bei der Übertragung auf andere Geräte und bei der Interpretation berücksichtigt werden.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist deshalb die vorsichtige Formulierung entscheidend: Die Vorteile eines bestimmten untersuchten Systems lassen sich nicht automatisch auf jeden Heubedampfer übertragen. Umgekehrt beweist eine fehlende gerätespezifische Studie nicht, dass ein anderes System unwirksam ist – nur, dass die Evidenz dafür schwächer ist.

Für welche Pferde kann bedampftes Heu eine Option sein?

Am stärksten ist die praktische Relevanz bei Pferden, bei denen eine Reduktion der Staub- und Partikelexposition Teil des Managements ist – insbesondere bei diagnostiziertem equinem Asthma [1, 2]. Ob Bedampfen im individuellen Fall die beste Raufutterstrategie ist, hängt jedoch vom gesamten Management, der Heuqualität, der Ration und dem klinischen Bild ab.

Für gesunde Pferde kann bedampftes Heu grundsätzlich ebenfalls verfüttert werden. Eine pauschale Notwendigkeit besteht aber nicht. Auch hier sollten mögliche Nährstoffveränderungen, Aufwand und Kosten gegen den erwarteten Nutzen abgewogen werden [6–9].

Häufige Fragen

Welche Temperatur muss ein Heubedampfer erreichen?

Eine universelle Zahl für jedes System lässt sich aus der Forschung nicht ableiten. In einer Laborstudie wurden Bacillus spp. erst bei 100 °C und mindestens zehn Minuten signifikant reduziert [4]. Entscheidend ist, welche Temperatur über welche Zeit im Heu erreicht wird – nicht nur die Temperatur des erzeugten Dampfes.

Kann man einen Heubedampfer selbst bauen?

Technisch lässt sich Dampf auch mit einfachen Konstruktionen erzeugen. Studien zeigen jedoch, dass Teil- oder improvisierte Bedampfung nicht dieselbe mikrobiologische Wirkung wie untersuchte Hochtemperatur-Systeme erreichen muss [3]. Ein Selbstbau sollte deshalb nicht allein danach beurteilt werden, ob das Heu warm und feucht wird. Wir behandeln das Thema separat im Ratgeber „Heubedampfer selber bauen“.

Muss bedampftes Heu sofort verfüttert werden?

Nicht zwingend. In einzelnen Studien blieb hochtemperatur-bedampftes Heu unter kontrollierten Bedingungen bis 24 Stunden mikrobiologisch relativ stabil [4, 5]. Das ist keine universelle Lagerfreigabe; im Stall sollten Hygiene und die Vorgaben des verwendeten Systems beachtet werden.

Senkt Bedampfen den Zuckergehalt?

Nicht zuverlässig. Die Veränderungen wasserlöslicher bzw. nichtstruktureller Kohlenhydrate unterscheiden sich zwischen Studien und Heuchargen [3, 6–8]. Wenn eine gezielte Zuckersenkung medizinisch relevant ist, sollte die Ration auf Basis einer Heuanalyse und fachlicher Beratung geplant werden.

Ist bedampftes Heu bei equinem Asthma besser als trockenes Heu?

Bedampftes Heu kann die Partikel- und mikrobielle Belastung reduzieren. Klinische Studien bei schwerem equinem Asthma zeigen aber kein einheitliches Bild: Manche Pferde verbessern sich, andere nicht ausreichend; eine aktuelle Studie fand keinen Schutz vor einer Verschlechterung im Vergleich zu trockenem Heu [10–12].

Fazit: Heu bedampfen ist sinnvoll einzuordnen – nicht zu überschätzen

Hochtemperatur-Bedampfung kann unter den untersuchten Bedingungen die Freisetzung respirabler Partikel und die Belastung mit bestimmten lebensfähigen Mikroorganismen deutlich reduzieren. Temperatur, Einwirkdauer und Dampfverteilung sind dabei entscheidend; die Ergebnisse eines untersuchten Geräts lassen sich nicht automatisch auf jedes andere System übertragen [3–5].

Gleichzeitig ist die klinische Evidenz bei equinem Asthma weniger eindeutig. Bedampftes Heu ist deshalb am besten als Baustein eines umfassenden Umweltmanagements zu verstehen – nicht als eigenständige Therapie und nicht als Garantie dafür, dass ein Pferd symptomfrei bleibt [10–12].

Wenn Bedampfen für Deinen Stall grundsätzlich infrage kommt, entscheidet anschließend die praktische Seite: Wie viel Heu muss pro Durchgang verarbeitet werden? Wie zuverlässig ist das Dampfkonzept dokumentiert? Wie hoch sind Anschaffungs- und Betriebskosten? Und wie gut passt das Gerät in Deine tägliche Routine?

Nächster Schritt: Heubedampfer vergleichen Auf unserer Vergleichsseite ordnen wir aktuelle Heubedampfer transparent nach Kapazität, Technik, Anwendung und Kosten ein. So kannst Du gezielt prüfen, welches System zu Deinem Pferd und Deinem Stallalltag passt. → Heubedampfer für Pferde im Vergleich

Quellen

[1] Diez de Castro E, et al. (2024). Environmental Management of Equine Asthma. Animals 14(3):446. DOI: 10.3390/ani14030446.

[2] Couëtil LL, Cardwell JM, Léguillette R, et al. (2020). Equine Asthma: Current Understanding and Future Directions. Frontiers in Veterinary Science 7:450. DOI: 10.3389/fvets.2020.00450.

[3] Moore-Colyer MJS, Taylor JLE, James R. (2016). The Effect of Steaming and Soaking on the Respirable Particle, Bacteria, Mould, and Nutrient Content in Hay for Horses. Journal of Equine Veterinary Science 39:62–68. DOI: 10.1016/j.jevs.2015.09.006.

[4] Humer E, Hollmann M, Stögmüller G, Zebeli Q. (2019). Steaming Conditions Enhance Hygienic Quality of the Compromised Equine Hay With Minimal Losses of Nonfiber Carbohydrates. Journal of Equine Veterinary Science 74:28–35. DOI: 10.1016/j.jevs.2018.12.024.

[5] Glatter M, Bochnia M, Wensch-Dorendorf M, Greef JM, Zeyner A. (2021). Feed Intake Parameters of Horses Fed Soaked or Steamed Hay and Hygienic Quality of Hay Stored following Treatment. Animals 11:2729. DOI: 10.3390/ani11092729.

[6] Moore-Colyer MJS, Lumbis K, Longland A, Harris P. (2014). The Effect of Five Different Wetting Treatments on the Nutrient Content and Microbial Concentration in Hay for Horses. PLoS ONE 9:e114079. DOI: 10.1371/journal.pone.0114079.

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[9] Pisch C, Wensch-Dorendorf M, Schwarzenbolz U, et al. (2022). Effect of Hay Steaming on the Estimated Precaecal Digestibility of Crude Protein and Selected Amino Acids in Horses. Animals 12:3092. DOI: 10.3390/ani12223092.

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Redaktioneller Datenstand: September 2026.

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